Stallpflicht wegen Geflügelpest: So versorgen Sie Ihre Hühner im Stall

Descena Team
Braune Legehenne im Gehege hinter Maschendraht während der Stallpflicht

Im Herbst und Winter steigt in Deutschland regelmäßig das Risiko für die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt. Die monatlichen Risikoeinschätzungen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) zeigen ein deutlich saisonales Muster: Im Herbst und Winter 2025/26 lagen die Ausbruchszahlen in Geflügelbeständen weit über dem Niveau des folgenden Sommers. Ordnet Ihr Landkreis dann eine Stallpflicht an, müssen auch Hobbyhühner von heute auf morgen drinnen bleiben. Dieser Ratgeber erklärt, was die Stallpflicht rechtlich bedeutet, wie Sie Futter und Wasser so organisieren, dass Wildvögel keinen Zugang haben, und wie Ihre Tiere die Wochen im Stall ohne unnötigen Stress überstehen.

Hinweis: Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt weder die Anordnung Ihrer Behörde noch eine tierärztliche Beratung. Verbindlich ist immer der Wortlaut der Allgemeinverfügung Ihres Landkreises oder Ihrer Stadt.

Was Stallpflicht rechtlich bedeutet

Grundlage ist die Geflügelpest-Verordnung. Nach § 13 GeflPestSchV ordnet die zuständige Behörde die sogenannte Aufstallung an, wenn eine Risikobewertung das erfordert. In diese Bewertung fließen unter anderem die Nähe zu Seen, Flüssen und Feuchtgebieten ein, in denen Wasservögel rasten, das Vorkommen von Wildvögeln und Ausbrüche in benachbarten Kreisen.

Aufstallung heißt nach dem Verordnungstext: Das Geflügel wird entweder

  • in geschlossenen Ställen gehalten oder
  • unter einer Schutzvorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben dichten Abdeckung und einer gegen Wildvögel gesicherten Seitenbegrenzung besteht.

Ein Netz oder Gitter reicht als Abdeckung nach oben nur, wenn die Maschenweite höchstens 25 mm beträgt. Ein normaler Maschendrahtzaun um den Auslauf erfüllt die Vorgabe also nicht. Ausnahmen kann die Behörde genehmigen, etwa wenn eine Aufstallung bei den bestehenden Haltungsverhältnissen nicht möglich ist; den Kontakt zu Wildvögeln müssen Sie dann auf andere Weise weitgehend verhindern. Eine solche Ausnahme gilt erst, wenn sie Ihnen erteilt wurde.

Wann eine Anordnung bei Ihnen gilt, erfahren Sie über die Internetseite Ihres Veterinäramts oder die amtlichen Bekanntmachungen Ihres Kreises. Deshalb lohnt es sich, die Hühnerhaltung dort angemeldet zu haben: Wer registriert ist, ist im Seuchenfall erreichbar. Welche Meldepflichten für Hobbyhalter grundsätzlich bestehen, steht im rechtlichen Überblick zur Hühnerhaltung im Garten.

Diese Regeln gelten immer, nicht nur bei Stallpflicht

Ein Teil der Vorgaben ist kein Ausnahmerecht, sondern gilt das ganze Jahr. Nach § 3 GeflPestSchV muss jeder, der Geflügel hält, sicherstellen, dass

  • die Tiere nur an Stellen gefüttert werden, die für Wildvögel nicht zugänglich sind,
  • die Tiere nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden, zu dem Wildvögel Zugang haben,
  • Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen das Geflügel in Berührung kommen kann, für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden.

Für die Tränke ist der zweite Punkt der wichtigste. Das FLI wird in seinem Merkblatt „Schutzmaßnahmen gegen die Geflügelpest in Kleinhaltungen" deutlich: Füttern Sie im Stall und tränken Sie mit Leitungswasser, nicht mit Regenwasser oder sonstigem Oberflächenwasser. Die Regentonne, der Gartenteich und die offene Wanne im Auslauf scheiden damit als Wasserquelle aus, sobald Wildvögel daran kommen könnten.

Wasser im Stall: der Punkt, der am häufigsten schiefgeht

Viele Halter haben die Tränke das Jahr über draußen im Auslauf stehen. Bei Stallpflicht muss sie mit nach drinnen, und genau dort entstehen die typischen Probleme: zu wenig Platz, Einstreu im Wasser, ein Standort, an dem rangniedrige Tiere nicht hinkommen.

Tränke umziehen, bevor die Anordnung kommt

Legen Sie den Platz für die Tränke im Stall fest, solange noch keine Eile herrscht. Bewährt hat sich ein Standort, der

  • leicht erhöht steht, damit beim Scharren keine Einstreu ins Wasser fliegt,
  • nicht direkt unter den Sitzstangen liegt, damit kein Kot hineinfällt,
  • von allen Seiten zugänglich ist, damit sich keine Henne vor dem Wasser aufbauen kann.

Mehr zu Höhe und Abstand lesen Sie im Ratgeber Hühnertränke richtig positionieren.

Wasserqualität und Reinigung

Drinnen verschmutzt eine Tränke schneller als draußen, weil Staub, Einstreu und Futterreste auf engerem Raum anfallen. Rechnen Sie bei Stallpflicht deshalb mit häufigerem Spülen. Eine glatte, fugenarme Oberfläche lässt sich dabei leichter sauber halten als ein verkratzter Kunststoffbehälter; eine Hühnertränke aus Edelstahl mit 4 Litern Volumen ist dafür eine pflegeleichte Basis. Wie oft gereinigt werden sollte und womit, steht im Praxisguide zum Reinigen der Hühnertränke. Was gutes Tränkwasser ausmacht, erklärt der Ratgeber zur Wasserqualität für Hühner.

Trinkmenge im Blick behalten

Ein Ortswechsel der Tränke kann dazu führen, dass einzelne Tiere in den ersten Tagen weniger trinken. Kontrollieren Sie deshalb in der ersten Woche morgens und abends den Wasserstand und achten Sie darauf, ob alle Tiere an die Tränke gehen. Woran Sie Wassermangel erkennen, beschreibt der Ratgeber Trinken meine Hühner genug?

Futter und Einstreu wildvogelsicher lagern

Wildvögel tragen das Virus nicht nur über direkten Kontakt ein, sondern auch über Kot auf Futter, Einstreu und Geräten. Das FLI empfiehlt Kleinhaltern deshalb, Futter, Einstreu und Gegenstände, die mit dem Geflügel in Berührung kommen, für Wildvögel unzugänglich aufzubewahren und Futter oder Einstreu zu entsorgen, wenn die Gefahr einer Verunreinigung mit Vogelkot besteht. In der Praxis heißt das: Futter in geschlossenen Tonnen, Strohballen unter Dach und nicht offen im Garten, Futterautomaten nur im Stall.

Hygiene am Stalleingang

Der zweite Eintragsweg sind Ihre eigenen Schuhe. Das FLI-Merkblatt nennt für Kleinhaltungen unter anderem diese Maßnahmen:

  • eigenes Schuhwerk nur für den Stall, das im Stall bleibt,
  • Hände vor dem Betreten und nach dem Verlassen mit Wasser und Seife waschen,
  • eine Desinfektionswanne vor dem Stalleingang,
  • fremde Personen und Haustiere wie Hunde und Katzen vom Stall fernhalten,
  • keine Geflügelteile und keine Eierschalen von gekauften Eiern verfüttern.

Das klingt nach Großbetrieb, ist aber in einem Gartenstall mit einem Paar Gummistiefel und einer flachen Wanne in fünf Minuten eingerichtet.

Wochen im Stall ohne Stress: Platz und Beschäftigung

Eine Stallpflicht kann mehrere Wochen dauern. Für Hühner, die sonst den ganzen Tag scharren, ist das eine Umstellung, und Langeweile auf engem Raum begünstigt Federpicken. Das FLI rät ausdrücklich dazu, bei Stallpflicht für Abwechslung zu sorgen. Aus der Praxis haben sich bewährt:

  • Scharrmaterial: eine Handvoll Körner in frische, tiefe Einstreu streuen, damit die Tiere suchen müssen.
  • Pickobjekte: ein aufgehängter Kohlkopf oder ein Bündel Grünzeug, das sich bewegt.
  • Sandbad: eine Kiste mit trockenem Sand im Stall ersetzt die Kuhle im Auslauf.
  • Strukturen: zusätzliche Sitzstangen in unterschiedlicher Höhe oder ein Strohballen geben rangniedrigen Tieren Ausweichmöglichkeiten.

Wenn Ihr Stall zu klein ist, um die Herde über Wochen tiergerecht unterzubringen, ist eine überdachte, seitlich gesicherte Voliere die zulässige Alternative nach § 13. Klären Sie Bauweise und Abdeckung im Zweifel vorab mit Ihrem Veterinäramt. Was sonst im Winter am Stall zu tun ist, von der Lüftung bis zur Einstreu, steht in der Checkliste Hühnerstall für den Winter vorbereiten.

Wann Sie den Tierarzt rufen müssen

Die Geflügelpest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Das FLI-Merkblatt nennt als Anlass, unverzüglich den Tierarzt zu informieren: ungewöhnlich hohe Verluste (wenn bei einem Bestand von bis zu 100 Tieren innerhalb von 24 Stunden drei oder mehr Tiere sterben), neurologische Auffälligkeiten wie Apathie, Kopfdrehen oder Gleichgewichtsstörungen sowie einen starken Rückgang der Legeleistung. Stellen Sie keine eigene Diagnose und behandeln Sie nicht selbst, sondern lassen Sie solche Fälle tierärztlich abklären.

Ein Rückgang der Legeleistung im Herbst hat übrigens meist eine harmlose Ursache: die Mauser. Was in dieser Phase normal ist, erklärt der Ratgeber Hühner im Herbst: Mauser, Wasser und Futter.

Die Stallpflicht-Checkliste in Kurzform

  • Informiert bleiben: Seite des Veterinäramts im Herbst regelmäßig prüfen, Haltung angemeldet haben.
  • Wasser: nur Leitungswasser, Tränke im Stall, erhöht und gut erreichbar, häufiger reinigen.
  • Futter und Einstreu: geschlossen und unter Dach lagern, nur im Stall füttern.
  • Hygiene: Stallschuhe, Händewaschen, Desinfektionswanne, keine Besucher im Stall.
  • Beschäftigung: Scharrmaterial, Pickobjekte, Sandbad, zusätzliche Sitzstangen.
  • Gesundheit: bei auffälligen Verlusten oder Symptomen sofort den Tierarzt informieren.

Fazit

Eine Stallpflicht ist für Hobbyhalter lästig, aber gut zu bewältigen, wenn sie nicht überraschend kommt. Wer schon im Herbst festlegt, wo Tränke und Futter im Stall stehen, Leitungswasser statt Regenwasser nutzt und ein paar Beschäftigungsideen bereithält, muss bei der Anordnung nur noch die Stalltür schließen.

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Häufige Fragen

Gilt die Stallpflicht auch für ein paar Hühner im Garten?

In aller Regel ja. Die Geflügelpest-Verordnung unterscheidet bei der Aufstallung nicht nach Bestandsgröße, und Allgemeinverfügungen richten sich üblicherweise an alle Geflügelhalter im festgelegten Gebiet. Maßgeblich ist der Wortlaut der Verfügung Ihres Landkreises.

Reicht ein Netz über dem Auslauf?

Nur unter Bedingungen. Nach § 13 GeflPestSchV braucht die Schutzvorrichtung eine nach oben dichte, überstehende Abdeckung und eine gegen Wildvögel gesicherte Seitenbegrenzung. Netze oder Gitter sind als Abdeckung nach oben nur zulässig, wenn die Maschenweite höchstens 25 mm beträgt. Im Zweifel fragen Sie Ihr Veterinäramt.

Darf ich meine Hühner mit Regenwasser tränken?

Nicht, wenn Wildvögel Zugang zu diesem Wasser haben: § 3 GeflPestSchV verbietet das Tränken mit solchem Oberflächenwasser ganzjährig. Das FLI empfiehlt Kleinhaltern grundsätzlich Leitungswasser statt Regenwasser.

Wie lange dauert eine Stallpflicht?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Die Behörde ordnet die Aufstallung auf Grundlage einer Risikobewertung an und hebt sie wieder auf, wenn das Risiko sinkt. Erfahrungsgemäß kann das mehrere Wochen dauern; den aktuellen Stand nennt Ihr Veterinäramt.


Über diesen Ratgeber. Verfasst vom Descena-Team, Inhaber Jonas Schanbacher. Descena vertreibt Edelstahl-Hühnertränken an Hobby- und Kleinhalter in Deutschland. Die rechtlichen Angaben stammen aus der Geflügelpest-Verordnung (§§ 3 und 13, Fassung auf gesetze-im-internet.de), die Hygieneempfehlungen aus dem Merkblatt des Friedrich-Loeffler-Instituts für Kleinhaltungen. Dieser Text ersetzt weder eine Rechtsberatung noch die tierärztliche Beratung und nicht die Anordnung Ihrer Behörde. Stand: Oktober 2026.

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